Theater/Tanz/Performance Parcours

Labyrinthe faszinieren die Menschen seit jeher. Schließlich leben wir in einer labyrinthischen Welt, heute mehr denn je. Und ist nicht auch unser eigenes Inneres ein Labyrinth?


Das Ensemble verirrt sich in einer antiken Geschichte, die von einem sagenhaften Baumeister (Achtung: Künstler!) und dem tragischen Ende seines Sohnes handelt (Achtung: Sich selbst überschätzender Abenteurer!) – und vom Minotaurus, einem nicht minder sagenhaften menschenfressenden Ungeheuer (Achtung: Ungeheuer! Opfer inbegriffen), von dem was wir wegsperren wollen, von den finsteren Abgründen, die im Menschen schlummern und sich in gewalttätigen Auseinandersetzungen, Kriegen und Unterdrückung Bahn brechen.

Der Irr-Weg führt durch die Räume der EISFABRIK. Fragmente einer verschlungenen Geschichte scheinen auf. Theater verbindet sich mit Tanz und Installationen in den vielfältigen Formen.

Bitte beachten Sie: Unser Labyrinth ist leider nicht barrierefrei.


Premiere am 30. Mai 2015,
insgesamt 15 Aufführungen zwischen dem 29. Mai 2015 und 11. Jul 2015

Ensemble


Idee, Regie, Choreographie: Pedro Goucha Gomes, Felix Landerer, Wolfgang A. Piontek
Regieassistenz: Michaela Höll
Dramaturgie: Peter Piontek
Musik: Christof Littmann
Labyrinth-Baumeister: Florian Lechner
Kostüm: Sabine Mech
Video: Volker Schreiner
Lichtdesign: Wolfgang Denker
Abendtechnik: Jaroslav Cernuska, Sayde Amirmehrabi
Technische Mitarbeiter: Jaroslav Cernuska, Michael Liiv
Grafik, Fotografie: Ralf Mohr
Büro: Achim Bernsee, Judith Elbeshausen, Deniz Maschmann

Stadtkind | 01.07.2015
Minotaurus/ Selfie im Labyrinth
von AW

Ein Parcours, der durch die Räume und Katakomben der Eisfabrik führt, so gesehen ein Labyrinth, durch das die Besucher gelotst werden: Im Theater-, Tanz und Performance-Stück der Ensembles Commedia Futura, Landerer & Company und Choreograf Pedro Goucha Gomes wird dem Mythos vom Minotaurus aktiv nachgegangen. Um zwischen Szenen, Installationen, Schatten und Licht dem zu begegnen, das wir lieber wegsperren wollen, der Sagengestalt oder dem Tier (Monster?!) in uns selbst...

Regisseur Wolfgang A, Piontek und die Choreographen Felix Landerer und Pedro Goucha Gomes stellen mit ihren Fragmenten der alten, verschlungenen Geschichte die herkömmliche Deutung derselben infrage. Ihnen geht es nur zum Teil darum, die antike Tragödie um die kretische Königsfamilie aufzurollen. Und so stellen sich beinahe klatschpressenmäßige Fragen nur am Rande, wie etwa die, ob Pasiphae denn nun wirklich von einem Stier oder doch von ihrem bulligen Mann bestiegen wurde, oder ob ihr Sohn (ein Mischwesen oder bloß anders?) zu Recht oder zu Unrecht als gefährlich eingestuft und deswegen eingesperrt wurde. Viel interessanter wird es, weil stattdessen die emotionalen Folgen für alle sagenhaften Gefangenen des verrückten Labyrinths im Fokus stehen, aus dem es keinen Ausweg gibt, solange die Menschen nun mal nicht aus ihrer Haut können. Es geht um den ewigen Kampf zwischen tierischen Trieben und menschlicher Moral. es geht um Sehnsüchte und Abgründe, Bewunderung und Verachtung, Anziehung und Abscheu. Auch und vor allem, wenn man sich angesichts der quälerischen Metamorphosen der geschüttelten, verrenkten, verkrüppelten, monströsen Körper der Tänzer dazu aufgefordert sieht, einen Blick in das eigene Innere zu werfen und sich selbst zu fragen, wie viel Selbstbeherrschung- und auch Maskerade - es uns kostet, die eigenen bestialischen Anteile zu unterdrücken und geheim zu halten. Oder aber, sich damit zu versöhnen, so wie es beim Anblick der eleganten, geschmeidigen, schwerelosen, reizenden, tänzerlschen Anmut auch zwischendurch gelingt. Eine ästhetisch, tänzerisch und schauspielerisch überaus anspruchsvolle und aufwühlende Reise durch die Eisfabrik

 

 

Neue Presse | 24.06.2015
Minotaurus in der Eisfabrik
von Lilean Buhl

Bevor „Minotaurus/Selfie im Labyrinth“ in den Katakomben der Eisfabrik beginnt, versuchen sich die Zuschauer nochmal an die Einzelheiten des griechischen Mythos zu erinnern. Da ist das Monster, halb Stier, halb Mensch, das vom Vater Minos in ein Labyrinth eingesperrt wird. Da sind seine Mutter Pasiphaë und deren Tochter Ariadne, die letztlich den Helden Theseus mit einem Faden durch das Labyrinth zum Minotaurus führt - der durch das Schwert des Kämpfers den Tod findet. Die Verwicklungen kommen nun im neuen Gewand: Experimenteller Tanz und Spiel unter Regie von Wolfgang Piontek, Pedro Gomes und Felix Landerer sollen dem Stoff einen modernen Anstrich geben und aktuelle Fragen aufwerfen.

„Ich spüre große Erwartung“, sagt Minos (Christoph Linder) im ersten Bild - und schaut in eine gespannte Zuschauerrunde. Der Performance-Parcours durch die Hallen und Keller der Eisfabrik funktioniert als Labyrinth-Konzept gut, die blanken Wände der Eisfabrík sind eine starke Kulisse für die fragmentarische Auseinandersetzung mit der Minotaurus-Sage. Struktur und Form entziehen sich dabei der herkömmlichen Theaterkonvention, in zehn Bildern ist sowohl Laufbereitschaft als auch Geduld von den Zuschauern gefordert, etwa wenn Theseus (Jacek Darwicki) eine Viertelstunde lang einen Boxsack malträtiert. Zu oft werden solche experimentellen Stilmittel allerdings zum Selbstzweck: Auf einmal sprechen die Darsteller Englisch, und anstatt atmosphärisch-elektronischer Loops dröhnt ein Sirtaki aus den Boxen. Dramaturgisch kommt „Minotaurus“ nicht ganz zum Punkt, dabei ist die radikale Ästhetik des Tanzes allein schon eine beeindruckende Verkörperung der inneren Tumulte von Minotaurus

Hannoversche Allgemeine Zeitung | 04.06.2015
Alte Griechen - knackfrisch
von Alexandra Glanz

"Minotaurus - Selfie im Labyrinth" in der Eisfabrik 

Minotaurus entstammt dem griechischen Götterhimmel, ist halb Mensch, halb Stier. Minus, ein Sohn des Zeus und König von Kreta, verspricht, ihn den Göttern zu opfern.Sperrt das Zwitterwesen stattdessen aber ins Labyrinth. Königsgattin Pasiphaë liebt Minotaurus. Die Tochter von Minus und Pasiphaë heißt Ariadne. Das ist die mit dem roten Faden. Theseus, König von Athen, tötet Minotaurus... „Na, haben Sie alles verstanden?". fragt Minos am Eingang der Eisfabrik die Gäste.

Der griechische Mhytos dieser zugleich grausamen und erotischen Familienaufstellung hat viele Bücher und Fantasyfilme inspiriert. ln der Eisfabrik, bei der Uraufführung von „Minotaurus -Selfie im Labyrinth", geschieht trotzdem Neues: Drei Regisseure und Choreografen brechen den komplexen Text auf die Facebook-Welt herunter. Aus den diversen Perspektiven entsteht eine dreistündige, von einer Pause unterbrochene Collage mit hohem Lust-, Labyrinth und \/erwirrfaktor.

Die Führung durchs Labyrinth übernimmt der Hausherr und Regisseur Wolfgang Piontek. Die beiden anderen wandern bei der ausverkauften Premiere ebenfalls mit: Felix Landerer und Pedro Goucha Gomes. Der Zuschauer muss also zu den - laut Programheft – zehn Bildern gehen: in den Keller der Eisfabrik, in die Schwarze, in die Weiße Halle.

Landerer, Gomes und Piontek erzählen die Geschichte nicht gemeinsam, sondern jeder inszeniert, choreografiert einzelne Szenen in seiner eigenen Handschrift. Da aber alle einem rigorosen Körpertheater vertrauen, gelingen die Übergänge völlig natürlich, wie ein Punkt, der einen Satz abschließt. Piontek führt seinen Stilwillen in süffisanten Rosenkríeg zwischen Christoph Linder als Minos und Monika Matting als Pasiphaë vor, Landerer arbeitet mit Benjamin Landsberg und Anila Mazhari „Das Monster in dir" aus. Und Gomes zeigt seine lyrische Bewegungskunst beim Orakel Pythia, Eszter Manz-Kozár zittert,. vibriert und krümmt sich, als sei sie vom Monster selbst besessen.

Dazu gibt es als Sound Sirtaki, das Schnaufen einer Dampflok. Fließbandlärm - eine suggestive Klangkulisse, die diese aufwendige Produktion von Commedia Futura, Landerer & Company und Grandiose Delusions / Pedro Goucha Gomes ergänzt. Sie stammt von dem hannoverschen Musiker Christof Littmann. Ein aufregender Abend, der viele lmpulse zur Diskussion setzt.

 

 


Video

Plakat:
Minotaurus/Selfie im Labyrinth
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