COMMEDIA FUTURA/Henrik Kaalund

Wer heute alt ist, war auch einmal jung – und hat etwas zu erzählen. Die Geschichten der Alten sind die Geschichte der Jungen, die damit leben müssen – oder auch dagegen. Aber auch, was heute hip ist, kommt nicht von ungefähr.

Vor dem Hip Hop war der Lindy Hop oder Charleston. Und hinter uns liegen nicht nur unsere eigenen Lebensjahre, sondern die Erlebnisse und Erfahrungen vieler Menschen.

In „Old Cool" erzählen Henrik Kaalund und COMMEDIA FUTURA vom Leben verschiedener Generationen. Sie schlagen eine Brücke über die vermeintliche Kluft, die Alt und Jung trennt. Aus Video-Aufzeichnungen von Interviews werden Szenen, aus Gesten wird Tanz und Akrobatik. Wie die Lebenserfahrungen verschmelzen auch die Tanzstile. So entsteht ein bewegter, mitunter auch aberwitziger Bilderbogen einer Schule des Lebens – wie es ist oder gewesen sein könnte.

Am Anfang stand die Frage, warum sich alte und junge Menschen so oft mit Feindschaft und Häme begegnen. Henrik Kaalund ließ sich von alten Menschen ihre Lebensgeschichten erzählen, auf der Suche nach dem, was einmal als cool galt, auch wenn es noch nicht so genannt wurde, nach alten und neuen Wertschätzungen. Dann rückte die Frage danach, wie man wird, der man ist, stärker in den Focus. Wie gehen wir mit Schicksalsschlägen und Widerständen um? Dabei war von Anfang an klar, daß am Ende nicht einfach ein weiteres Stück Dokumentar-theater stehen sollte, sondern experimentelles Tanztheater, eine Fusion, die mit Ästhetiken und Stilen spielt und mit Lebensentwürfen und -geschichten jongliert und so vor allem Fragen aufwirft.

Mit einer modern ausgebildeten Tänzerin, einem Hiphopper und einer Tricker ist das Ensemble der Herausforderung entsprechend besetzt.

Henrik Kaalund hat wiederholt in Produktionen von Commedia Futura („up to 70 cm", „Vom Enden der Dinge", „Cadavre Exquis", „Versuchungen") als Tänzer und Choreograph mitgewirkt und hat selbst zahlreiche Tanztheaterproduktionen und Performances hervorgebracht.

Der gebürtige Däne begann seine Ausbildung in Kopenhagen, studierte an der staatlichen Ballett-Schule in Köln und an der John Cranco Schule in Stuttgart. Er erhielt Stipendien in den USA und tanzte für zahlreiche Compagnien im In- und Ausland, ehe er sich als freier Tänzer und Choreograph in Berlin niederließ. 2002 gewann er den ersten Preis beim internationalen Choreographen-Wettbewerb in Hannover, 2003 wurde er in Leipzig für das beste Tanzsolo ausgezeichnet.


Premiere am 13. Sep 2014,
insgesamt 14 Aufführungen zwischen dem 13. Sep 2014 und 22. Mär 2015

Ensemble


Es tanzen: Jolanda Löllmann, Malik Davis, Silvester Kiunka
Die Alten: Sibylle Brunner, Walter Alrutz, "Komet" Bernhard Enste
Idee/Inszenierung/Choreographie/Videos/Bühnenbild: Henrik Kaalund
Musik: Christof Littmann
Kostüme: Sabine Mech
Lichtdesign: Wolfgang Denker
Technische Assistenz: Jaroslav Cernuska, Michael Liiv
Dramaturgie/Produktion: Peter Piontek, Wolfgang A. Piontek
Abendtechnik: Adrien Mazzotti-Colombo
Administration: Judith Elbeshausen, Deniz Maschmann
Grafik: Ralf Mohr

Hannoversche Allgemeine Zeitung | 20.09.2014
Alt und Hop
von Alexandra Glanz

„Old Cool": kurzweiliges Tanztheater bei der Commedia Futura in der Eisfabrik

Hip-Hop und Lindy Hop, dazwischen liegt ein knappes Jahrhundert. Lindy Hop führte zum Charleston. Und Hip-Hop? Mal sehen, noch befinden wir uns mitten drin im Zeitalter der Straßenkultur, die sich einst in den Gettos von New York entwickelt hat und unzählige Tanzstile entstehen ließ. Tricker heißt einer davon. Trickern, das hat viel mit Tricksen zu tun. Die Tänzer tun so, als wollten sie dem anderen an den Kragen, stattdessen ziehen sie ihm die Füße weg. Verschiedene Kampfsportarten standen fürs Trickern Pate, der brasilianische Capoeira beispielsweise, aber auch der Breakdance.

Der Tänzer und Choreograf Henrik Kaalund arbeitet mit allen diesen Elementen in seinem neuen Tanzstück „Old Cool". Zu erleben sind in der Inszenierung, die die Commedia Futura im Theater in der Eisfabrik gerade zeigt, drei alte Menschen auf Videoprojektionen, die sich erinnern. Unter ihnen die wunderbare, in Hannover ansässige Sibylle Brunner, die gerade in dem Kinofilm „Rosie“ reüssiert (auch dann geht's viel ums Alter und Altern). Wir erleben aber auch, wie drei Junge, das sind Jolanda Löllmann, Malik Davis und Silvester Kiunka, mit Bewegung zu berühren verstehen - wenn sie denn trickern. Am beeindruckendsten sind dabei die in der Luft gedrehten Saltos von Malik Davis - Luftsprünge von einem Tänzer mit Dreadlocks. Henrik Kaalund, der in Berlin lebt und unter anderem an der John-Cranko-Schule in Stuttgart ausgebildet wurde, rollt seine Geschichte von den Jungen, die Alte in einem Archiv suchen, wie einen Film auf. Eine Wand mit Ordnern deutet das Büro an. In diesem Ambiente wechseln Sequenzen in Zeitlupe und Zeitraffer mit Filmstills ab, also eingefrorenen Bildern, Fotos. Das ein oder andere Mal wird eine Passage auch zurückgedreht, also rückwärts getanzt. Was da getanzt wird, erscheint vielfach als weiße Schrift auf schwarzem Grund, samt kitschig-schnörkeligem Rahmen auf der Rückwand: „Hahaha", lesen wir da, während der Tänzer freudig purzelbaumt. Wie in einem Stummfilm, doch alles andere als angestaubt.

Eine kurzweilige Stunde dauert die tänzerische Erörterung zum Generationenkonflikt. „Das Alter ist nichts für Feiglinge", war dieser Tage in so ziemlich jedem Nachruf auf Blacky Fuchsberger zu lesen, den Titel seiner Memoiren zitierend. „Old Cool" zeigt darüber hinaus: Zum Jungsein gehört ebenfalls eine gehörige Portion Mut. Denn ohne die wären Malik Davis' akrobatische Luftsprünge nicht möglich.

 


Video

Plakat:
Old Cool
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