Der Kulterer ... ist eine choreographisch und theatralisch ausgefeilte Performance, deren Komposition aus malerischem Empfinden entwickelt wurde. (Tanz aktuell)

“Kulterer“ ist eine Collage, die auf die Suggestionskraft der Bilder setzt, angesiedelt im Spannungsfeld zwischen experimentellem Theater und Performance. Die Scheinwerfer fangen immer neue Szenen ein, die Assoziation zu Kultur, Zivilisation und Gesellschaft herstellen. Angelehnt an den Untergang der Titanic wird die von hohen düsteren Wänden umgebene Spielfläche zu einem gefängnisartigen Raum, in dem drei männliche Figuren - Urbilder des Suchers, des Spielers und des Physikers - agieren.


Premiere am 22. Apr 1988,
insgesamt 10 Aufführungen zwischen dem 22. Apr 1988 und 27. Feb 1989

Ensemble


Konzept: Michael Habelitz, Wolfgang A. Piontek
Inszenierung: Wolfgang A. Piontek, Michael Habelitz, Stefan Bochnig
Bühne: Wolfgang Denker, Irmgard Pricker
Kostüme: Katharina Bartel, Tina Schwarz
Musik: Michael Habelitz
Lichtdesign: Wolfgang Denker

Hannoversche Allgemeine Zeitung | 02.05.1988
Kurz vor dem Untergang
von Ute-Brigitta Fromhagen

Die neue Produktion der Commedia Futura

Bevor die Aufführung beginnt, erscheinen auf drei großen Leinwänden im Vorraum in schnell wechselnder Folge Diaprojektionen. Man sieht Ausgrabungsstätten, steinzeitliche Gräber, Gebeine, Spuren menschlicher Siedlungen, archaische Landschaften. Untermalt wird das Ganze durch lautstarke Tonkompositionen: Die Geräusche von peitschendem Regen und jammerndem Wind vermischen sich mit dem Heulen von Hunden und den klagenden Rufen eines Vogels, dem rhythmischen Stampfen von Maschinen und der an- und abschwellenden Sirene eines Unfallwagens.

Mit solchen Tönen stimmt die hannoversche Gruppe Commedia Futura auf ihre Performance im Schwarzen Saal der Eisfabrik ein. Denn in ihrer neuesten Produktion, einer eindrucksvollen Inszenierung mit dem Titel „Kulterer“, geht es im Sauseschritt durch die Zeiten - bis hin zum programmierten Untergang der Spezies Mensch („Fünf Minuten vor 12: fünf Minuten vor dem Untergang“). Angelehnt an den Untergang der „Titanic“ („ein riesengroßer technischer Raum versinkt“) wird die von hohen düsteren Wänden umgebene Spielfläche zu einem gefängnisartigen Raum, in dem drei männliche Figuren - Urbilder des Suchers, des Spielers, des Physikers agieren.

Das heißt: mal scheinen sie rituelle Handlungen auszuführen, mal bewegen sie sich ruckartig wie Maschinen, dann wieder werden sie wie Spielbälle hin- und hergeworfen („die große Drehung hat den Raum des Schiffes schief gemacht“). Drei Frauenfiguren - eine ist eingesperrt in eine Art gläsernes Gehäuse, die beiden anderen hocken hoch oben an den Wänden auf Hochsitzen, zu denen keine Leitern führen - befinden sich gewissermaßen außerhalb dieses Geschehens. Sie verkörpern die faszinierend-geheiımnisvolle Psyche, die Physis, die mit schwingenden Armbewegungen atmendes Leben darstellt, und die Zeit, die monotone Anmerkungen macht zum Weltgeschehen, zur Relativitätstheorie und zu „den großen Institutionen, die das Schießen und Knebeln lehren".

Viele einzelne Bilder sind zu sehen - wie im Film aneinander geschnitten, die Scheinwerfer fangen immer neue Szenen ein, die Assoziationen zu Kultur, Zivilisation und Gesellschaft herstellen. Und dazu ist immer das Geräusch gleichmäßig dahinfließenden Wassers zu hören. Zum Schluss herrscht Finsternis, doch dann wird es wieder Licht, und die Psyche blickt kokett in die Runde und beißt wie Eva in einen Apfel: Alles geht wieder von vorne los.

„Kulterer“ ist eine Collage, angesiedelt im Spannungsfeld zwischen experimentellem Theater und Performance. Nicht leicht konsumierbar, rätselvoll oft, aber nie langweilig, durchweg spannend. Groß ist die Suggestionskraft der Bilder, woran neben der Leistung der Schauspieler, der Ton- und Lichtregie auch die ausgefeilte Choreographie und das surreal anmutende Bühnenbild maßgeblichen Anteil haben.

Nicht zu unterschätzen sind auch die sparsam eingesetzten komischen Elemente, die eine allzu hehre oder peinlich tiefschürfende Stimmung gar nicht erst aukommen lassen. Idee und Konzept zu dieser bemerkenswerten Produktion, die vom Premierenpublikum mit lang anhaltendem Beifall bedacht wurde, stammen von den Gruppenmitgliedem Michael Habelitz und Wolfgang A. Piontek.

Piontek gründete die Commedia Futura 1982. Seitdem ist sie mit sieben Produktionen an die Öffentichkeit getreten. Heute gehören sechs Schauspieler, zwei Techniker und eine Choreographin zum festen Stamm. Alle üben noch einen Brotberuf aus. Deswegen und weil die Gruppe den Schwarzen Saal (ihre feste Spielstätte seit zwei Monaten) auch für Gastveranstaltungen zur Verfügung stellt, ist die nächste Aufführung erst für den 20. Mai geplant.

 

 

 

 

Plakat:
Kulterer
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Über drei Jahrzehnte Commedia Futura

Produktionen seit 1982

Bis heute

Insgesamt 2588 Aufführungen davon 93 Eigenproduktionen mit 1417 Aufführungen | 29 Koproduktionen mit 137 Aufführungen | 386 Gastspiele und Kulturveranstaltungen mit 1034 Aufführungen

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