„Auf der Suche nachdem heiligen Leib bietet pünktlich zum 30. Todestag Pasolinis eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Intellektuellen. Der Experimentierfreude des Ensembles von Commedia Futura ist es zu verdanken, dass auch für Kenner einige neue Perspektiven auf den Mythos Pasolini enthüllt werden.“ (H1, TV LOKAL)

„Der Pornograph ist im Herzen religiös. Die Commedia Futura zeigt kurz und schön und mittendrin im lauten Geschrei, warum.“ (Hildesheimer Allgemeine Zeitung)

„Wasserbrunnen in meinem Dorf./Es gibt kein frischeres Wasser als in meinem Dorf./Brunnen ländlicher Liebe.“ Mit diesen romantischen Zeilen beginnt der erste Gedichtband eines Autors und Filmemachers, dessen Leben gewaltsam im Staub der Straße endete. Sich mit Pier Paolo Pasolini zu beschäftigen, bedeutet sich mit unvereinbaren Gegensätzen zu konfrontieren und einzutauchen in eine untergegangene Welt, die es vor gar nicht langer Zeit noch gab. Was also hat ein schwuler Kommunist, der in einem erzkatholischen Land gelebt hat, ein Intellektueller, der die Bauernwelt seiner friulischen Heimat verherrlichte und allabendlich in den Suburbs der Großstadt in der schnellen Liebe mit Strichjungen seine Erfüllung suchte, was hat uns der Autor von „Gramscis Asche“ (Gedichte, 1957), „Ragazzi di Vita“ (Roman, 1955) und „Petrolio“ (Roman, posthum), der Regisseur von Filmen wie „Medea“ (1969), „Große Vögel, kleine Vögel“ (1965) oder „Saló oder die 120 Tage von Sodom“ (1975) noch zu sagen? Wir meinen: Viel, gerade in seinen Widersprüchen und als Rebell in eigener Sache gegen die gleichmacherischen Tendenzen der Konsumwelt. Seine „Lutherbriefe“ und „Freibeuterschriften“ bieten jede Menge Stoff für Globalisierungskritiker.

„Die Suche nach dem heiligen Leib“ ist ein assoziatives Geflecht, das Elemente der Biographie Pasolinis ebenso nutzt wie Motive und Bilder aus seinem gewaltigen Oeuvre. Es zeigt den politischen Pasolini ebenso wie den ödipalen homosexuellen Narziß, der in Symbiose mit seiner Mutter lebt. Es zeigt den Autor und Regisseur, der sich immer wieder an religiösen Symbolen und Themen abarbeitet und stellt Vermutungen über seinen Tod. Die Elemente Tanz, Schauspiel/Körpertheater und Musik gehen dabei als gleichberechtigte Ausdrucksformen in das Szenario ein.

Pier Paolo Pasolini wurde 1922 in Casarsa (Friaul) geboren. Sein Vater war Soldat und Faschist. Sein jüngerer Bruder Guido wurde 1945 als kommunistischer Widerstandskämpfer von Kommunisten ermordet. Pasolini begann früh zu schreiben, veröffentlichte Gedichte, Romane und schrieb Filmdrehbücher unter anderem für Fellini und Bertolucci, ehe er selbst im Film als Regisseur das ihm gemäße Ausdrucksmittel fand. 1950 wegen „obszöner Handlungen“ aus dem Schuldienst entlassen und aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen, flieht Pasolini mit seiner Mutter – mit der er Zeit seines Lebens eng verbunden bleibt – nach Rom, wo er bis zu seinem gewaltsamen Tode lebt. Er wird am 2. November in der Nähe von Ostia erschlagen aufgefunden.


Premiere am 03. Dez 2005,
insgesamt 21 Aufführungen zwischen dem 03. Dez 2005 und 25. Mär 2006

COMMEDIA FUTURA OnTour:
27. Jan 2006 Stadttheater Hildesheim Hildesheim
28. Jan 2006 Stadttheater Hildesheim Hildesheim

Ensemble


Konzept: Gruppe
Inszenierung: Wolfgang A. Piontek
Regieassistenz: Laura Heda, Stefanie Heyer, Fabian Klein
Dramaturgie: Peter Piontek
Bühnenbild: Magda Jarzabek, Wolfgang Heinrich
Kostüme: Elisabeth Kesten
Musik: Christof Littmann
Videos: Volker Schreiner
Lichtdesign: Wolfgang Denker

Hannoversche Allgemeine Zeitung | 05.12.2005
Der Kampf um den Künstler - Die Commedia Futura Hannover erinnert an Pier Paolo Pasolini
von Michael Stoeber

Wie übergroße Konfetti segeln die Schreibmaschinenseiten durch die Luft. Pier Paolo Pasolini (Michael Gabel) hascht nach ihnen, als sei er Anita Ekberg und bade in der Fontana di Trevi. Später greift er nach seiner Schreibmaschine, herzt sie, umarmt sie und masturbiert an ihr, damit auch ja jeder im Publikum verstehe, wie narzistisch das...

… Verhältnis des ; Dichters zum Schreiben war. Damit tut die hannoversche Commedia Futura, die ihre Pasolini-Hommage mit dem szenischen Spiel „Die Suche nach dem heiligen Leib“ um Werk, Leben und Sterben Pasolinis fortsetzt, dem italienischen Dichter und Filmemacher gleich zu Beginn Gewalt an. Jeder, der schreibt, hat notwendigerweise ein irgendwie libidinö-ses Verhältnis zur Sprache. Aber gerade für Pasolini war das Schreiben stets mehr als nur narzistisches Medium. Es war für ihn ein Instrument der Befreiung, um sich aus den bedrückenden Verhältnissen seiner Kindheit und Jugend zu lösen und um den gesellschaftlich Marginalisierten und Ausgestoßenen seiner Zeit eine Stimme zu geben. Zwar ignoriert die Inszenierung diese Elemente nicht, aber sie werden zurückgedrängt und auch nicht schlüssig aus der Persönlichkeit des Künstlers heraus entwickelt. Dafür wird die Homosexualität des Dichters breit und grell ausgeleuchtet. Dem Spiel gelingt es nur halbherzig, das pornografische und obszöne Interesse daran so zu distanzieren, dass es als Interesse der Gesellschaft kenntlich wird. Zudem ist der handlungsführende Plot, der Kampf eines schwarzen (bösen) und eines weißen (guten) Engels um Seele und Leib des Künstlers, banal und konstruiert. Dennoch ist die Erinnerung an Pier Paolo Pasolini in seinem dreißigsten Todesjahr sehr zu begrüßen. Aus diesem Anlass ist es das Beste, sich seine Filme wieder anzusehen und seine Bücher wieder vorzunehmen, das Zweitbeste, sich diese Inszenierung der Piontek-Brüder (Regie: Wolfgang A., Dramaturgie: Peter) anzusehen.

Plakat:
Auf der Suche nach dem heiligen Leib - Pasolini
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