Die Videoprojektionen, die Einspielungen auf den Monitoren, die Stimme aus dem tragbaren Kassettenrecorder, die Musikeinlagen und die Monologe von Beck-Nielsen greifen so präzise ineinander, wechseln geschmeidig die Ebene, daß das Duden-Vokabular nicht hinreicht.

(Hannoversche Allgemeine Zeitung)

Eine Talk-Runde am Silvesterabend des Jahres 1999. Der Talkmaster: Andy Warhol, seine Gäste: namhafte Persönlichkeiten der zweiten Jahrhunderthälfte, Richard Nixon, Marilyn Monroe und andere. Das Thema: The Life of Andy Warhol oder der Geist des 20. Jahrhunderts. Doch der Talk-Master hat das Geschehen nur scheinbar im Griff. Unversehens verwickeln ihn seine Gäste in Dialoge, die eher von Samuel Beckett zu stammen scheinen als vom smarten Liebling der amerikanischen Pop-Kultur. Zwei einander scheinbar entgegengesetzte Welten begegnen sich. Die harmlose Gesprächssituation weicht alptraumhaften Szenen.

Aus dieser Konfrontation und durch die Nutzung neuer Medien, Bewegung und Musik entstehen die Spielräume dieses Stückes. Die Talk-Show-Gäste kommen per Video-Schirm in die Eisfabrik. Claus Beck-Nielsen (DK) ist Andy Warhol. Von ihm stammen auch die Texte zu diesem Stück, das Regisseur Rolf Heim entwickelt und inszeniert hat.


Premiere am 31. Dez 1994,
insgesamt 50 Aufführungen zwischen dem 31. Dez 1994 und 03. Mai 1998

COMMEDIA FUTURA OnTour:
26. Apr 1995 Junge Hunde '95 Kampnagel – Forum for Young International Dance and Theatre Artists Hamburg
27. Apr 1995 Junge Hunde '95 Kampnagel – Forum for Young International Dance and Theatre Artists Hamburg
24. Aug 1995 Internationales Theaterfestival Waves '95- Festival Vordingborg
25. Aug 1995 Teatret Kaleidoskop Kopenhagen
29. Aug 1995 Teatret Kaleidoskop Kopenhagen
30. Aug 1995 Teatret Kaleidoskop Kopenhagen
31. Aug 1995 Teatret Kaleidoskop Kopenhagen
18. Okt 1995 4. Festival freier Theater 1995/ Kulturfabrik Loeseke Hildesheim
08. Jan 1996 COMMEDIA FUTURA - ON TOUR / Thy Theater Hantsholm, DK
12. Jan 1996 COMMEDIA FUTURA - ON TOUR Bergen, NW
13. Jan 1996 Festival Nordisk Szenekunst Bergen, NW
16. Jan 1996 COMMEDIA FUTURA - ON TOUR Oslo, NW
17. Jan 1996 COMMEDIA FUTURA - ON TOUR Oslo, NW
18. Jan 1996 COMMEDIA FUTURA - ON TOUR Oslo, NW
19. Jan 1996 Blackboxtheater Oslo Oslo, NW
23. Jan 1996 Vintapper Teatret Odense Odense, DK
24. Jan 1996 Vintapper Teatret Odense Odense, DK
13. Apr 1996 Festival Artgender Kopenhagen,

Ensemble


Konzept: Claus Beck-Nielsen, Rolf Heim
Inszenierung: Rolf Heim
Regieassistenz: Michael Rösel
Kostüme: Heike Schröder
Musik: Gerd Jacob
Videos: Rolf Heim, Michael Rösel
Lichtdesign: Wolfgang Denker
Ensemble: Claus Beck-Nielsen, TV-Monitore

Hannoversches Wochenblatt | 18.01.1995
Andy Warhol - die Commedia Futura läßt den „Geist des 20. Jahrhunderts“ wieder auferstehen
von rks

Er galt als Ikone der Popkultur, als künstlerisches Multitalent, als Revolutionär der Kunstszene - Andy Warhol. Die Commedia Futura hat dem 1987 Verstorbenen in ihrer jüngsten Produktion eine Art Denkmal gesetzt, den „Geist des 20. Jahrhunderts“ in der Person Warhols noch einmal auferstehen lassen. Dabei scheint die Nähe zum ebenfalls in der Südstädter Eisfabrik (Seilerstraße) angesiedelten Fora Artistico nicht ohne Wirkung geblieben zu sein. Einzige „Gesprächspartner“ des als Solodarsteller agierenden Claus Beck-Nielsen sind zwei großformatige Fernsehmonitore und ein angegrauter Radiorekorder, die Szenerie und mit ihr einige technische Spielereien erinnern an eine Video-Installation neuer Medien. Via Bildschirm kommuniziert Beck-Nielsen/Warhol mit illustren Gästen, Persönlichkeiten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Monroe, Presley, Nixon, Kennedy und andere geben sich ein Stelldichein, werden von Warhol vorgeführt -die Dialoge nicht ohne Ironie -, „Forrest Gump“ läßt grüßen. Wie    Warhol ergründen? Beck-Nielsen, dessen frappierende Ähnlichkeit mit Warhol bereits „die halbe Miete“ ist, stellt als Autor (die Regie führte Rolf Heim) die introvertierte, scheue Seite Warhols heraus, die perfekt inszenierte Andersartigkeit. Warhol erscheint als einsamer Mensch, distanziert von den Dingen und Personen, die er ins Leben rief, die an dem Teil hatten, was er selbst inszenierte. .Alles ist Oberfläche.“ Warhol selbst - so scheint es - hat sich selbst nie so wichtig genommen, wie seine Umwelt dies tat. Die Commedia Futura hat sich - und dies unterstreicht die künstlerische Spannweite des Ensembles - mit „Der Geist des 20. Jahrhunderts“ wieder mehr dem Sprechtheater zugewandt. Tänzerische Elemente finden sich nur am Rande, dem Konzept, „Bilder“ zu produzieren, ist zumindest gleichrangig eine Erzählung, eine Persönlichkeitsstudie zur Seite gestellt worden.

Prinz | 01.01.1995
Andy Warhol - Der Geist des 20. Jahrhunderts - Stück des Monats
von Jessica Lochmann

DIE STORY: Andy Warhol lädt zu einer Talkrunde, seine Gäste erscheinen über Fernsehbildschirme. Auf der Bühne entsteht eine multimediale Mischung aus der Biographie Andy Warhois, dem Anspruch der Pop-art und einem Blick auf das 20. Jahrhundert. Satirisch und bloßstellend verleiht Warhol den fiktiven Gästen seine Stimme: Marilyn Monroe - schön und dumm, Mohammed Ali - der Größte unter Muttis wachsamen Augen, Kennedy - ein Redenschwinger, Nixon - ein Nachplapperer, Beckett - vielleicht gefürchtetes Ideal. Die leichte Talkrunde entgleitet dem Begründer der Pop-art, alptraumhafte Sequenzen, die bohrenden Fragen eines Tonbandes brechen den Schutzschirm des schillernden Unikums. // INSZENIERUNG: Mit ihrer Inszenierung schaffen Claus Beck-Nielsen und Rolf Heim eine Verbindung aus Theater, Körperausdruck und multimedialen Elementen: Eine dunkle Bühne mit drei Jalousettenwänden, zwei Fernsehern und einem Tonbandgerät wird belebt durch Licht- und Klangeinspieiungen und beherrscht von der Präsenz Claus Beck-Nielsens. Die Problematik der Künstlerfigur, die sich dem Kommerz ergibt und in einer Kunstwelt lebt, wird zentral sichtbar. Die Pop-art mit ihrer Künstlichkeit und Reduktion auf Wesentliches spiegelt sich in der Darstellung der Figur. Eine Selbstentäußerung vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte. // DIE SCHAUSPIELER: Die Inszenierung lebt von der hervorragenden Darstellung und seelischen wie körperlichen Entblößung: Claus Beck-Nielsen ist Andy Warhol! Mit seinem Körper fängt er die Gebrochenheit dieses Künstlers ein, der äußerlich als smarter Liebling der amerikanischen Popkultur erschien. Er wird zur Kunstfigur wie Warhol zur Kultfigur. // DER AUTOR: Der Däne Claus Beck-Nielsen ist Schauspieler, Musiker und Hörspielautor. Von ihm stammen die Texte zu diesem Stück, das er zusammen mit Regisseur Rolf Heim entwickelt hat in engem Kontakt mit der Wooster Group, New York. Das Duo Beck-Nielsen/ Heim erprobte die Zusammenarbeit bereits beim Teatret Cantabile 2. // SEHENSWERT?: Claus Beck-Nielsen ist absolut überzeugend! Faszinierende Bildsequenzen und Kunstwelten tun sich auf. Auch sehenswert: jeden Donnerstag ein Film von Warhol in der Eisfabrik.

Hannoversche Allgemeine Zeitung | 03.01.1995
Warhols Antworten - Der Geist des 20. Jahrhunderts" von der Commedia Futura
von Thorsten Hess

Es ist soweit. Man geht ins Theater und sieht fern. Zudem noch ein Programm, das derzeit sintflutartig alle Kanäle überspült: eine Talkshow. „Andy Warhol - Der Geist des 20. Jahrhunderts“ heißt die scheinbare Kapitulation der Commedia Futura vor dem übermächtigen Medium. Ihr Moderator ist Andy Warhol, verblüffend echt dargestellt von dem dänischen Schauspieler Claus Beck-Nielsen, der Alltägliches und Banales zu Kunst zu stilisiert. Und weil die Gespräche in den ausgestrahlten Small-Talks meist belanglos bleiben, liefert Warhol in seiner eigenen Sendung die Antworten gleich selbst. Eine illustre Schar, Stellvertreter der amerikanischen Kultur in 20. Jahrhundert, sind geladen. Richard Nixon, Mu-hammed Ali, Marilyn Monroe kommen via Bildröhre in den Theatersaal, während zwischendurch wichtige Stationen im Leben des Pop-art-Künstlers erzählt werden. Warhol als Talkmaster biedert sich nicht an, und mit den synchronisierten Antworten zeichnet der Autor Beck-Nielsen ein düsteres Bild der amerikanischen Gesellschaft. Die Monroe ist das blonde Dummchen, das statt Hirnmasse nur Sex im Kopf hat, Nixon ist debil und der Boxchamp sinnlos aggressiv. Ist das alles? Folgt die Commedia Futura mit dem Stück unter der Regie von Rolf Heim dem Meister selbst, der da sagte: „Mehr steckt nicht dahinter. Es ist alles Oberfläche.“ Wohl kaum. Allein die Inszenierung beeindruckt ungemein, läßt Grenzen zwischen Realität und Schein verschwimmen. Die Videoprojektionen, die Einspielungen auf den Monitoren, die Stimme aus dem tragbaren Kassettenrecorder, die Musikeinlagen und die Monologe von Beck-Nielsen greifen so präzise ineinander, wechseln geschmeidig die Ebenen, daß das Duden-Vokabular nicht hinreicht. „Sekundiös“ wird der faszinierenden Genauigkeit des Ablaufs gerecht. Eine Talkshow, die anzuschauen lohnt.   

Plakat:
Andy Warhol
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